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Deutschlands mühevoller Weg zur Klimaneutralität

Wenn das langfristige Ziel Netto-Null lautet, glauben viele Menschen, dass wir vor allem noch mehr Energiesparmaßnahmen ergreifen müssen. Und während Maßnahmen zur Energieeffizienz in der Tat unerlässlich sind, reicht das allein bei Weitem nicht aus. Denn der gleichzeitige Trend, viele Lebensbereiche wie z.B. die Mobilität zu elektrifizieren, erfordert massive Investitionen in die Infrastruktur für erneuerbare Energien.

Die derzeitige Situation in Deutschland ist dafür ein gutes Beispiel. Da die Stromnachfrage in den nächsten Jahren nicht sinken, sondern vielmehr zunehmen wird, müssen die Abschaltung von Atomkraftwerken und der beschlossene Kohleausstieg mit einem massiven Ausbau der erneuerbaren Energien einhergehen. Doch damit nicht genug: Aufgrund des russischen Einmarsches in der Ukraine versucht Deutschland nun außerdem, die Abhängigkeit von russischem Erdgas zu reduzieren, indem es kurzfristig auf Flüssigerdgas (LNG) umsteigt, während gleichzeitig vorgesehen ist, dass die erneuerbaren Energien bereits 2035, also deutlich früher als ursprünglich geplant, 100 % des Strombedarfs decken sollen.

Die Energiewende gewinnt unglaublich an Fahrt, aber um die erforderliche Kapazität an erneuerbaren Energien tatsächlich erreichen zu können, müssen die Entscheidungsträger einen dezentralen Ansatz verfolgen, der die Installation von Solaranlagen auf den Dächern von Geschäfts- und Wohngebäuden fördert. Wo die Politik zu langsam ist, um entsprechende Anreize zu schaffen, können Unternehmen und Privatpersonen es selbst in die Hand nehmen. Indem sie sich dank einer Kombination aus Solaranlagen, Batteriespeichern und Energiemanagement-Systemen selbst versorgen und sogar regional vernetzen, schaffen sie das erneuerbare Energiesystem der Zukunft.

Rückschläge auf dem Weg zur Klimaneutralität

Die Energiewirtschaft ist derzeit das Sorgenkind der deutschen Politik: Im Jahr 2021 hat die Abschaltung von drei Kernkraftwerken die Versorgungssicherheit spürbar beeinträchtigt. Gleichzeitig kam der geplante Netzausbau nur schleppend voran, was die Kosten für Maßnahmen zur Gewährleistung der Systemstabilität in die Höhe trieb. Gleichzeitig wurden in den vergangenen zehn Jahren kaum Fortschritte bei der Abkehr von Gas und Öl im Bereich der Gebäudeheizung erzielt und auch die deutschen Strompreise gehören seit langem zu den höchsten in der gesamten EU. Der Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix ist in jüngster Zeit sogar zurückgegangen, da die tatsächliche Ausbaugeschwindigkeit nicht ausreicht, um den ständig steigenden Strombedarf zu decken. So konnten die erneuerbaren Energien im vergangenen Jahr nur 40,5 % der gesamten Stromerzeugung decken, gegenüber einem Anteil von 43,6 % im Jahr 2020. Das wiederum führt zu einem erheblichen Anstieg der Emissionen und steht in krassem Gegensatz zu den kürzlich verschärften Klimazielen für 2030, nach denen der Anteil der Erneuerbaren an der Stromerzeugung bei satten 80 % liegen soll. Bis 2035 sollen nun sogar schon die 100 % erreicht werden.

Die Herausforderungen sind also gewaltig. Auf dem Weg zu Netto-Null hat Deutschland noch einen weiten Weg vor sich, denn die von der neuen Bundesregierung beschlossenen Ziele sind äußerst ehrgeizig, während in den letzten Jahren nur einige wenige kleinere Maßnahmen tatsächlich realisiert worden sind. Damit echte Fortschritte möglich sind, müssen fortan alle an einem Strang ziehen. Um den Ökostromanteil gemäß des Koalitionsvertrages der Regierungsparteien bis 2030 zu verdoppeln, brauchen wir einen massiven und schnellen Ausbau der Wind- und Solarkapazitäten.

Jetzt zur Netto-Null

Der Fahrplan für die deutsche Wirtschaft ist klar: Solar- und Windenergie müssen die Kohleverstromung ersetzen, Elektrofahrzeuge sich großflächig durchsetzen, Wärmepumpen die bestehenden Erdgas- und Ölheizungen ersetzen und in den Stahlwerken in Zukunft anstelle von Kohle und Erdgas grüner Wasserstoff verbrannt werden. Die Bundesregierung will dies mit neuen Klimaschutzpaketen erreichen. Derzeit produzieren erneuerbare Energien 240 TWh Strom, bis 2030 muss die Leistung auf bis zu 600 TWh steigen, um mindestens 80 % des gesamten Strombedarfs zu decken. Der geplante Gesamtzubau soll bis zu 110 GW durch Onshore-Windparks, 30 GW durch Offshore-Windturbinen und 200 GW durch Solarenergie betragen. Verglichen mit den heutigen Erzeugungsmengen müsste sich jeder Sektor verdoppeln oder sogar verdreifachen, um diesen angestrebten Zuwachs der Erzeugungsleistung zu erreichen. Die ungelöste Frage dabei ist, wie sich die Versorgungssicherheit in dieser Umbruchphase gewährleisten lässt. Die Zeit drängt, und Deutschland wird es 2022 und in den Folgejahren schwer haben, seine Klimaziele zu erreichen, wenn die Energiewende jetzt nicht endlich vorankommt. Sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen wollen sich an diesem ehrgeizigen Plan für die Energiewende beteiligen, wenn man sie fragt, doch die Politik zögert noch.

 

27643Source: Statista

Nachteile für Vorreiter?

Mit dem Ziel, die russischen Gasimporte zu reduzieren, hat die öffentliche Akzeptanz erneuerbarer Energiequellen nochmals deutlich zugenommen, doch einige Entscheidungsträger zögern noch immer. Bei der Suche nach Standorten für große PV- und Windkraftanlagen sind die lokalen Behörden nach wie vor sehr zurückhaltend, da Bürger vielerorts nach wie vor gegen den Bau solcher Anlagen im "eigenen Hinterhof" sind.

Der politische Stillstand beim Ausbau der Windenergie könnte die Errichtung von Solaranlagen auf Dächern noch attraktiver machen, da der dafür erforderliche Rechtsrahmen weit weniger kompliziert ist. Sieht man von den derzeitigen Engpässen bei der Anschaffung und Installation ab, birgt die Solarenergie ein enormes Wirkungspotential. Im Vergleich zur Windenergie ist die Akzeptanz der Aufdach-Solarenergie deutlich höher, so dass man annimmt, dass sie zu einer Demokratisierung der Energieversorgung führen wird. Denn mit zunehmender Verbreitung der Dachsolaranlagen wird das Energiesystem immer stärker dezentralisiert, und sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen können von niedrigeren Energiekosten und einer höheren Versorgungssicherheit profitieren. Bei der Förderung der erneuerbaren Energien wird es sicherlich auch weiterhin hitzige Debatten mit den Bundesländern geben, aber wahrscheinlich werden letztendlich alle mitziehen, da es für Gemeinden, Unternehmen und Einzelpersonen gleichermaßen viel zu gewinnen gibt.

Wie sieht es mit dem Erdgas aus?

Viele Interessenverbände protestieren nachdrücklich gegen die Verwendung von Erdgas, nicht nur wegen der damit verbundenen politischen Abhängigkeiten von Russland, sondern auch weil der Transport und die Verbrennung von Erdgas immer noch rund 50 % der CO2-Emissionen von Kohle und zusätzliche Methanemissionen verursacht. Ein Verzicht auf Erdgas würde Treibhausgas-Emissionen folglich signifikant verringern. Andererseits weisen einige Experten darauf hin, dass ein vorzeitiger Verzicht von Erdgas kontraproduktiv sein könnte, da er die Energiewende verteuern könnte. Erst vor wenigen Monaten wurden Erdgas und LNG in die EU-Taxonomie aufgenommen, damit sie übergangsweise als Energieträger dienen können, solange die installierte Leistung von erneuerbaren Energien noch nicht ausreicht, um Zeiten geringer Stromerzeugung zu kompensieren.

Die Förderung erneuerbarer Energien zur Bekämpfung des Klimawandels ist jedoch nur ein Teil des Ganzen. Erneuerbare Energien sind darüber hinaus mittlerweile ein unverzichtbarer Bestandteil des europäischen strategischen Ziels, in der Energieversorgung einen höheren Grad an Unabhängigkeit zu erreichen. Seit den Entwicklungen nach dem russischen Einmarsch in der Ukraine im Februar dieses Jahres ist die Abhängigkeit Europas und Deutschlands von Erdgas im Allgemeinen und russischem Gas im Besonderen stark in das öffentliche Bewusstsein gerückt. Der REPowerEU-Plan ist einer von vielen, die von den europäischen Institutionen ausgearbeitet wurden, um sich aus dieser Abhängigkeit zu befreien. Dennoch könnte es noch einige Jahre dauern, bis wesentliche Veränderungen, wie der Bau von zwei neuen LNG-Terminals, ihre volle Wirkung entfalten. Die Terminals sollen nach Fertigstellung die russischen Gasimporte langfristig um zwei Drittel reduzieren. Es ist jedoch nicht einfach, die russische Pipeline vollständig zu schließen, da die Verwendung von LNG verhältnismäßig aufwändig und teuer ist. Daher könnte der Weg zu 80 % erneuerbaren Energien bis 2030 zumindest durch einen Anteil russischen Gases zur Erzeugung der verbleibenden 20 % unterstützt werden. Diese Strategie ist für Deutschland sehr kostspielig, da sie massive Investitionen in die Infrastruktur erfordert, die anschließend wieder abgebaut werden sollten, da selbst LNG maximal eine Übergangslösung sein sollte. Die Nichtregierungsorganisation Climate Action Tracker hat Deutschlands Klimastrategie aufgrund dieser Pläne und der daraus resultierenden infrastrukturellen Lock-in-Effekte für fossile Brennstoffe gerade auf "unzureichend" herabgestuft.

Ein mögliches Gasembargo

Bei all diesen Plänen wird jedoch ein mögliches Gasembargo bzw. ein drohender Lieferstop nicht berücksichtigt. Während Deutschland sich derzeit gegen ein generelles Gasembargo wehrt, hat Russland bereits die Lieferungen an Finnland, Polen, Bulgarien und die Niederlande gestoppt. Diese Maßnahmen könnten von Russland sehr wohl als politische Waffe eingesetzt werden. Einige Experten sind der Meinung, dass ein Embargo zwar zu einer Rezession, nicht aber zu einer Katastrophe führen würde. So könnte man sich darauf vorbereiten und die drohenden Folgen abmildern, indem man das russische Erdgas durch Gas aus anderen Quellen ersetzt und gleichzeitig den Gesamtverbrauch reduziert. Dennoch bleibt die Ungewissheit bestehen, da die Abhängigkeit von russischem Gas von europäischer Seite aus nicht ohne weiteres vollständig beseitigt werden kann, auch wenn sich der Anteil seit Ausbruch des Krieges bereits verringert hat. Die Europäische Kommission plant eine verpflichtende Gasbevorratung von 80 % bis November und 90 % bis zum gleichen Zeitpunkt im nächsten Jahr. Dieses Vorgehen verstößt gegen die Grundsätze des freien Marktes und ist somit Ausdruck der großen Unsicherheit, die in Bezug auf die Versorgungssicherheit derzeit herrscht. Unter der Voraussetzung, dass weiterhin ausreichend bezahlbares Gas auf dem Markt verfügbar ist, wird Deutschland Gaskraftwerke weiterhin als Brückentechnologie bis zum Jahr 2035 in Betracht ziehen, um die Versorgungssicherheit auch nach der Abschaltung der Kohlekraftwerke bis 2030 zu gewährleisten.

27430Source: Statista

Gehen wir ‘all in’

Die schleppende Modernisierung der Energieinfrastruktur in Kombination mit den sich abzeichnenden Versorgungslücken aufgrund des schrittweisen Auslaufens CO2-intensiver Kraftwerke stellt die europäischen Länder vor große Herausforderungen. Die aktuellen politischen Spannungen mit Russland sind ein längst überfälliger Weckruf für die europäische Energiepolitik, da sie einige der fundamentalen Schwächen und Abhängigkeiten des derzeitigen Systems ans Licht gebracht haben. Dies hat Deutschland dazu veranlasst, die Energiewende - zumindest auf dem Papier - erheblich zu beschleunigen, so dass sie schon 2035 vollständig realisiert sein wird. Ein derart radikaler Wandel erfordert nicht nur massive Infrastrukturinvestitionen in die Anlagen, sondern auch einen Systemwechsel, weg von zentralen Kraftwerken, hin zu dezentraler Erzeugung im kleinen Maßstab. Dennoch konzentriert sich die politische Diskussion immer noch auf einen Top-Down-Ansatz, um die Energiewende zu verwirklichen, während eigentlich ein dynamischer, dezentraler Ansatz notwendig wäre, um die Bürger unmittelbar an den Vorteilen der Energiewende teilhaben zu lassen. Es bedarf einer gemeinsamen Anstrengung aller Beteiligten, um die Energiewende so schnell wie nötig umzusetzen - dies betrifft nicht nur die Politik, sondern auch den privatwirtschaftlichen Sektor und die Haushalte. Und Deutschland ist nur ein Beispiel für ein europäisches Land, das einen tiefgreifenden Wandel durchläuft. Auch wenn noch viel passieren muss, ist eines sicher: Die Zukunft gehört den erneuerbaren Energien.

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